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Die Sache mit dem Vectoring

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Leitungen für DSL sind verschiedenen Störungen ausgesetzt. Einige davon dringen von außen ein und sind schwer zu beeinflussen. Die unterschiedliche Belastung der Adern des Kabels verursacht ebenfalls Störungen. Vectoring soll dieses Problem beseitigen und bei bestehenden Leitungen höhere Geschwindigkeiten ermöglichen, ohne dass ein großer Umbau nötig ist.

VDSL löst nach und nach das veraltete ADSL ab
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Welches Ziel verfolgt Vectoring?

VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) ist aktuell in den meisten Regionen der Standard für den DSL-Anschluss und stellt den Nachfolger des ADSL-Anschlusses (Asymmetric Digital Subscriber Line) dar. Das ADSL, meist nur DSL genannt, lieferte gerade einmal bis zu 16 MBit/s, mit VDSL sind problemlos bis zu 50 MBit/s möglich. Vectoring soll das Internet weiter beschleunigen und die Übertragungsrate auf 100 und mehr MBit/s steigern. Seit August 2018 bietet die Telekom sogar sogenannte Super-Vectoring an, wodurch der Anschluss bis zu 250 MBit/s erreichen soll. Dazu wird das Signal weiter verändert, um Störeinflüsse noch weiter zu reduzieren.

Aufbau der Leitungen

Bei den meisten DSL-Leitungen in Deutschland handelt es sich um eine sogenannte Kupfer-Doppelader. Kupferadern haben den Nachteil, dass sich ihre Temperatur und damit auch der elektrische Widerstand in Abhängigkeit von der Temperatur ändern. Hinzu kommt, dass beim Stromfluss elektromagnetische Felder entstehen. Bei niedrigen Geschwindigkeiten stellte das nie ein Problem dar, bei Volllast jedoch limitieren diese Effekte die maximale Übertragungsgeschwindigkeit.

Eine Internetleitung, kurz vor einem Verteilerkasten
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In Neubaugebiete und bei Sanierungsarbeiten steigen die Netzbetreiber daher zunehmend auf Glasfaser um. Die Leitungen besitzen die Nachteile der Kupferleitungen nicht und ermöglichen damit noch höhere Geschwindigkeiten. Viele Gebäude verfügen auch über ein Antennenkabel, welches für die Datenübertragung genutzt werden kann. Hier lassen sich ebenfalls sehr hohe Internet-Geschwindigkeiten und Fernsehsignale zuverlässig über ein Kabel übertragen.

Effekte in der Leitung

Im Wesentlich begrenzen zwei Effekte die maximale Übertragungsgeschwindigkeit von Kupferleitungen. Einmal ist da die Leitungsdämpfung. Jede Leitung besitzt einen Widerstand, der in Abhängigkeit von der Temperatur und Belastung schwankt. Dieser Widerstand sorgt dafür, dass das Signal am Ausgang schwächer ist als jenes am Eingang. Aus diesem Grund spielt die Leitungslänge zum nächsten Verteiler des Netzbetreibers eine entscheidend Rolle.

Leitungsdämpfung und Stromfluss begrenzen die Übertragungsgeschwindigkeit
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Der zweite Effekt ist: Beim Stromfluss in den Netzwerkleitungen kommt es zur Entstehung hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung. Dieser Elektrosmog wirkt auf alle anderen Leitungen im Einflussbereich ein und kann deren Signale manipulieren. Dieser Effekt wird als Übersprechen oder Crosstalk (Englisch: far-end crosstalk, FEXT) bezeichnet und beschränkt die maximale Übertragungsgeschwindigkeit für DSL in Kupferleitungen.

Voraussetzung von Seiten des Netzbetreibers

Vectoring wird ausschließlich von der Deutschen Telekom genutzt. Als Grundvoraussetzung für die Technologie wird eine Glasfaserleitung bis zum zuständigen Verteiler benötigt. In Gegenden mit alten Leitungen kann die Technik also ohnehin nicht genutzt werden.

Die Vectoring Technik wird nur von der Deutschen Telekom genutzt
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Eine weitere Voraussetzung ist ein spezielles Gerät im Verteiler. Dieses verändert die Signale, um die Störungen im Internet durch die Strahlung anderer Kabel zu reduzieren. Das Problem hierbei ist, dass oft mehrere Anbieter die Verteiler nutzen, bei dem Einsatz eines Vectoring-Gerätes jedoch ein Provider die vollständige Kontrolle braucht. Einige Provider sind außerdem der Meinung, dass die Technologie eine Sackgasse darstellt und nur ein billiger Kompromiss ist, welcher den Ausbau des Glasfasernetzes verzögert.

Voraussetzungen und Auswirkungen beim Endkunden

Beim Kunden gibt es keine wesentlichen Veränderungen. Für die Nutzung der Technologie wird lediglich ein spezieller Router benötigt. Diesen muss der Anbieter allerdings bereitstellen, sofern er die Technik im Vertrag anbietet. An dieser Stelle kann sich der Kunde also zurücklehnen. Die WLAN-Strahlung des Routers bleibt auf den ersten Blick gleich, da die Übertragungstechnik hier ja nicht verändert wurde. Höhere Geschwindigkeiten bringen allerdings auch mehr Datenpakete und somit stärkeren Elektrosmog mit sich.

Höhere Internetgeschwindigkeit bedeutet stärkere Esmog-Belastung
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Grundsätzlich ist der Anbieter jedoch berechtigt, die höhere Geschwindigkeit im Preis zu berücksichtigen. Das könnte bedeuten, dass ein DSL-Vertrag mit Vectoring einen Aufschlag gegenüber einem normalen DSL-Anschluss erhält. Dieser Fall muss aber nicht zwingend eintreten, besonders wenn der Provider die Technologie flächendeckend anbietet.

Wie funktioniert Vectoring?

Die DSL-Signale werden mit sehr hohen Frequenzen übertragen. Dabei ändern sich die elektromagnetischen Felder mit der Frequenz des Signals, also meist mehrere Millionen Mal pro Sekunde. Dies führt zu elektromagnetischen Wechselfeldern im Bereich der Leitungen, die sich alle gegenseitig beeinflussen.

Vectoring soll Störungen reduzieren
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Das Gerät, welches im Verteiler installiert wird, verändert die Signale. Es stimmt die Frequenzen der einzelnen Signale aufeinander ab. Das Ziel dabei ist, dass sich positive und negative Felder gegenseitig kompensieren. Der gegenseitige Störeffekt wird damit deutlich reduziert. Perfekt ist die Technik allerdings nicht, da nicht immer alle Leitungen gleichzeitig genutzt werden. Das Gerät muss also die Signale immer wieder aufeinander abstimmen.

Auswirkungen auf elektromagnetische Strahlung

Die Strahlung insgesamt im Bereich der Kabel verändert sich nicht. Durch die Aufhebung positiver und negativer Felder werden zwar die Auswirkungen davon aufgehoben, die Felder sind aber immer noch vorhanden und wirken auf Menschen ein, die beispielsweise darauf stehen. Die genaue Belastung können Sie mit Esmog Messgeräten prüfen.

EPE Conseil Indikator ESI 23 EPE Conseil Indikator ESI 24

In den Haushalten allerdings hat die Technik sogar eine negative Auswirkung: Die Strahlungsintensität steigt. Mit höheren Datenraten werden mehr Daten in der gleichen Zeit übertragen. Selbstverständlich wirkt sich dies auf die Felder im Haus aus, ganz speziell die WLAN-Strahlung. Für die höhere Übertragungsleistung muss der Router verständlicherweise mehr Daten senden. Jedes dieser per WLAN versendeten Datenpakete erreicht nicht nur das Zielgerät, sondern jeden Menschen im Wirkungsbereich.

Vectoring für schnelles Internet: Elektrosmog gratis

Die Zukunft aller Technologien ist Smart. Immer mehr Geräte, egal ob Handy, Spielekonsole oder Fernseher, benötigen einen Zugang zum Internet. Normales DSL reicht da in vielen Haushalten kaum noch aus, da zu viele Geräte die eingeschränkte Bandbreite nutzen. Mit Vectoring können diese Haushalte eine schnellere Internetverbindung erhalten. Die Einrichtung liegt allerdings beim Netzbetreiber und schreitet bundesweit nur langsam voran. Mit der Steigerung der Geschwindigkeit steigen allerdings auch die per WLAN übertragene Datenmenge und die WLAN-Strahlung. Eine Entscheidung für oder gegen diese Technologie sollte daher wohl überlegt sein. Die beste Empfehlung ist auch gebäudeintern weiter kabelgebunden das Internetsignal vom Router zu den verschiedenen Geräten wie PCs oder Laptops zu verteilen. Auch für Tablets oder iPhones die i.d.R. nur einen drahtlosen Zugang zum Internet anbieten, sind entsprechende Adapter erhältlich um auch hier kabelgebunden und damit mit deutlich reduziertem Elektrosmog zu surfen.

Abschirmtapete YCF-80-100

Übrigens: Wenn Sie sich weiter gegen Elektrosmog schützen möchten, dann stehen verschiedene Abschirmmöglichkeiten zur Verfügung. Für Unterwegs bietet sich Abschirmkleidung an. Benachbarte Router von Nachbarn etc. können Sie mit Abschirmfarben oder Flächenprodukten wie Abschirmtapete abschirmen.